Die 58-Millionen-Euro-Lüge: Warum der Rettungsdienst wirklich so teuer ist

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Die Nachricht, dass die Eintreibung der horrenden Rettungsdienstgebühren vorerst gestoppt ist, ging Ende Januar durch die Presse. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Eine Anfrage des BSW hat nun Dokumente ans Licht gebracht, die zeigen: Das Gebühren-Desaster ist kein Unfall, sondern das Ergebnis jahrelanger politischer Verweigerung.

Wer wissen will, warum der Rettungswagen im Rhein-Sieg-Kreis über 1.200 Euro kosten soll, muss einen Blick in die Buchhaltung werfen. Die Verwaltung hat uns auf Nachfrage die Zahlen offenlegen müssen. Das Ergebnis ist schockierend:

2015 waren es noch 15.013.370 Euro Gesamtkosten, die bis 2025 auf prognostizierte 57.890.334 Euro steigen.

Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Kosten fast vervierfacht. Inflation und Personalmangel allein können das nicht erklären.

Der eigentliche Skandal verbirgt sich in einer kurzen Antwort auf unsere Frage Nr. 5. Wir wollten wissen: „Wurde im Vergleich geprüft, was ein Betrieb des Rettungsdienstes durch eigenes Personal kosten würde?“ Die Antwort des Landrats: „Nein, ein solcher Vergleich wurde bisher nicht angestellt.“

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Kreis gibt fast 60 Millionen Euro Steuer- und Gebührengelder aus, vergibt Aufträge an externe Firmen und Hilfsorganisationen, hat aber noch nie geprüft, ob er die Leistung selbst nicht günstiger erbringen könnte. Dabei machen es Städte wie Troisdorf vor: Dort organisiert die Kommune den Rettungsdienst selbst, die Gebühren sind stabil und für den Patienten fallen keine Eigenanteile an.

Die Antwort der Verwaltung zeigt auch, dass man im Kreishaus früh Bescheid wusste. Bereits im Juni 2025 gab es den ersten Schriftverkehr mit den Krankenkassen, die signalisierten: Wir zahlen das nicht alles. Doch vor der Kommunalwahl im September blieb es still. Damit steht der Verdacht im Raum, dass diese Informationen der Öffentlichkeit vor der Kommunalwahl bewußt vorenthalten wurden. Die jetzige Aussetzung der Gebühren bis zum Sommer 2026 ist nur eine Notbremse, weil der öffentliche Druck zu groß wurde. Sie ändert nichts daran, dass das System Rhein-Sieg-Kreis unwirtschaftlich ist.

Michael Otter und die Gruppe BSW im Kreistag fordern Konsequenzen aus diesem Eingeständnis. Es darf keine Tabus mehr geben: Die Rekommunalisierung des Rettungsdienstes muss jetzt seriös durchgerechnet werden. Wir brauchen Daseinsvorsorge in öffentlicher Hand, statt blinder Marktgläubigkeit auf Kosten der Kranken und Verletzten.

Bild von Ingo Kramarek auf Pixabay

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